Montag, 16. Juli 2018

Auf dem Weg zu außergewöhnlicher Beziehung: Welche Art von Intimität lebst Du?


Hast Du Dich schon einmal gefragt, welche Art von Intimität Du lebst? Viele Menschen verbinden mit Intimität meistens Sex. Doch es gibt noch ganz andere Formen von Intimität, die für eine Beziehung wichtig sind. Insbesondere, wenn Du nicht nur eine gewöhnliche Beziehung, sondern vielmehr eine außergewöhnliche Beziehung erschaffen möchtest, ist es entscheidend, dass Du ein Bewusstsein dafür entwickelst, wie Du Intimität auf verschiedenen Ebenen erschaffen kannst. Nährende Intimität ist ein entscheidender Schlüssel für die Langlebigkeit und den Grad der Erfüllung in einer Beziehung.

Möglicherweise hast Du es bereits selbst erlebt, oder kennst Paare in Deinem Umfeld, bei denen der Grad an Intimität in der Beziehung in der Hektik des Alltags mit der Zeit schnell abgenommen hat. Plötzlich gibt es viele logistische Dinge zu besprechen, die den Raum für Intimität mehr und mehr schmälern (insbesondere, wenn Ihr Euch erst am Abend nach dem Job seht und Kinder womöglich auch noch Eure Aufmerksamkeit fordern). Sich in logistischen Dingen zu verlieren ist ein sehr gängiges, unbewusstes Vorgehen, Intimität zu vermeiden. Wenn Du nicht achtsam bist und bewusst Räume für Intimität kreierst, kann es passieren, dass Du Dich nach einiger Zeit zwar immer noch prima mit Deinem Partner oder Deiner Partnerin verstehst, Ihr jedoch mehr eine Wohngemeinschaft denn eine erfüllende Liebesbeziehung habt.

Es gibt sehr viele Möglichkeiten bzw. unbewusste Verhaltensweisen, um Intimität in einer Beziehung zu vermeiden:

  • Du arbeitest oft so lange, dass Du müde und erschlagen nach Hause kommst und eigentlich nur noch schlafen möchtest
  • Es gibt zuhause ständig etwas zu tun und Du erzählst Dir die Geschichte, dass Du Dich erst Intimität widmen kannst, wenn all das erledigt ist.
  • Du verlierst Dich – wie oben erwähnt – in der Klärung logistischer Dinge
  • Du hältst die Intensität von Intimität nicht aus und hast jederzeit einen flotten Spruch parat, um intime Momente zu zerstören oder gar nicht erst aufkommen zu lassen.
  • Du hast möglicherweise ein Konzept von Intimität – d. h. wie Intimität zu sein oder zu passieren hat – und verpasst deswegen die anderen zahlreichen Türen zu Intimität, die sich auftun.
  • Du teilst Dich nur oberflächlich mit.
  • usw.

Schreibe einmal bewusst auf, wie Du Intimität vermeidest bzw. zerstörst. Allein das Bewusstmachen wird Dir helfen, ab sofort ein Augenmerk darauf zu haben und Dich selbst zu beobachten, wann Du im Alltag in Deiner Beziehung Intimität und Nähe zerstörst (das kann übrigens auch gleichermaßen die Beziehung zu Freunden oder Familie sein).

Vielleicht hast Du schon einmal den Satz gehört „Beziehungen sterben nicht aus Mangel an Liebe, sondern aus Mangel an Intimität.“ Lass uns also einmal schauen, welche Arten von Intimität es gibt und wie Du bewusst Räume dafür erschaffen kannst.

Zieh einmal in Betracht, dass es nicht nur die physische Art von Intimität gibt, die die meisten kennen. Küssen, zärtlich sein, Sex, all das ist nur ein Bruchteil einer Art von Intimität. Neben dem physischen Körper haben wir noch weitere Körper, die uns ausmachen und die ebenfalls durch eine ganz andere Art von Intimität genährt werden.

Vier-Körper-Intimität
Zum einen haben wir den physischen Körper, der aus Knochen, Muskeln und Organen besteht, die Empfindungen haben. Der intellektuelle Körper ist den meisten Menschen auch noch ein Begriff. Dabei geht es um den Verstand mit seinen Gedanken. Diese beiden Körper sind sehr präsent. Den physischen Körper nähren wir meist mit gutem Essen, frischer Luft und ein wenig Sport, während der intellektuelle Körper seine Nahrung durch Gespräche, Lesematerial, Theaterbesuche o. ä. erhält. Der emotionale und energetische Körper finden hingegen in der modernen Gesellschaft kaum Beachtung, somit haben die wenigsten Kenntnis darüber, dass auch diese beiden Körper durch eine ganz eigene Art von Intimität in einer Beziehung genährt werden. Bei dem emotionalen Körper geht es um das emotionale Herz mit seinen Gefühlen. Der energetische Körper bezeichnet unser Sein, das Präsenz, Absicht und Vision hat. Natürlich kannst Du jeden dieser Körper auch für Dich alleine nähren. Wenn Du jedoch mit einer anderen Person in Beziehung bist, bekommen diese vier Körper noch einmal eine ganz andere Bedeutung. 



Die spannende Frage ist, wie Intimität sich in diesen vier Körpern ausdrückt. Hier einige Beispiele: 

1.    PHYSISCHE INTIMITÄT:
Physische Intimität mit Deinem Partner oder Deiner Partnerin drückt sich aus durch Sex, gemeinsam Singen, Essen, Geschirr abspülen, Hand in Hand spazieren gehen, Sauna, Sport (wie z. B.: Radfahren, Tennis, Skifahren, Schwimmen, etc.), Tanzen, gegenseitige Massagen, kuschelnd auf dem Sofa liegen, die Haare des anderen kämmen, die Zähne des anderen putzen, gemeinsam reisen, gemeinsam ein Bad nehmen, gemeinsam mit den Kindern spielen, gemeinsam gärtnern, das Haus/die Wohnung umgestalten, usw.

2.    INTELLEKTUELLE INTIMITÄT:
Intellektuelle Intimität äußert sich im miteinander reden, diskutieren, philosophieren, Gedichte schreiben, gemeinsam etwas entwerfen,  etwas gemeinsam lernen (z. B. eine Sprache), gemeinsam ein Projekt durchführen, der gemeinsame Besuch von Oper, Theater, Konzerten, Kino, gemeinsam Artikel oder Bücher laut lesen, Geschichten erzählen, Humor, Erinnerungen teilen, gemeinsam Pläne schmieden, etc.

3.    EMOTIONALE INTIMITÄT:
Emotionale Intimität geschieht durch das Erleben und Ausdrücken von Gefühlen mit 100% Vertrauen (z. B. indem Du sagst “Ich fühle mich wütend, ängstlich, traurig, froh, weil…”),  Verletzlichkeit, Offenheit, Akzeptanz, tiefes Zuhören ohne Diskussion, Wunden und Verletzungen offenlegen, authentisch miteinander in Kontakt sein, Wärme, Mitgefühl, Großzügigkeit, Schwächen, Leidenschaften teilen, etc.

4.    ENERGETISCHE INTIMITÄT:  
Energetische Intimität zeigt sich, indem Du präsent bist, Ihr miteinander seid, Ihr gemeinsame Rituale macht oder gar gemeinsam meditiert, Ihr Euch gegenseitig wertschätzt, Ihr Euch gemeinsam in der Geschwindigkeit der Liebe bewegt, Respekt, Gemeinschaft, Wachstum, Entwicklung in Eurer Beziehung präsent sind, etc. 

Diese vier Arten von Intimität passieren nicht unbedingt getrennt voneinander, sondern sind sehr häufig miteinander verbunden. Beispielsweise kann es sein, dass Ihr Hand in Hand spazieren geht und dabei Pläne schmiedet oder Eure Gefühle verletzlich mitteilt.

Damit eine Beziehung langfristig erfüllend und nährend sein kann, ist es wichtig, dass Du darauf achtest, alle vier Arten von Intimität zu leben. 

Deine Absicht und Achtsamkeit sind entscheidend
Doch Intimität ist nicht gleich Intimität. Deine Absicht und Deine Achtsamkeit entscheiden darüber, ob Du diese vier Arten von Intimität dazu nutzt, um gewöhnliche oder außergewöhnliche Beziehung zu gestalten. 

Wenn Du beispielsweise mit Deinem Partner Tennis spielst (physische Intimität) und es bei dem Spiel dann um einen erbitterten Kampf geht, wer das Match gewinnt, dann zerstörst Du Nähe und Vertrautheit, weil es darum geht, wer der Bessere ist. Es ist kein Miteinander mehr. Gleiches passiert, wenn Du mit Deinem Partner nur Sex hast, in der Hoffnung, im Gegenzug ein wenig Liebe zu bekommen. Dann fördert das nicht die Beziehung, weil Du aus einer Bedürftigkeit heraus handelst. Habt Ihr hingegen beide die Absicht, miteinander zu sein, zu experimentieren und zur forschen, dann öffnet sich ein Tor zu nährender, erfüllender physischer Intimität. 

Wenn Du mit Deinem Partner ständig diskutierst, streitest oder Du eine Position einnimmst, dann zerstörst Du Nähe und kreierst Distanz. Ist es hingegen ein gemeinsamer Austausch von Informationen oder ein gemeinsames Planen (z. B. einer Reise), wo sich jeder einbringen kann, so entsteht intellektuelle Intimität. 

Herausfordernd ist auch die emotionale Intimität. Wenn Du aus unverantwortlichen Gefühlen bzw. Emotionen heraus agierst und Dich mit Deinem Partner in einem Drama von z. B. unverantwortlicher (Opfer-) Traurigkeit oder angreifender (Täter-)Wut wiederfindest, dann hat das nichts mit emotionaler Intimität zu tun. Dann bist Du im sogenannten niederen Drama, in dem Beschuldigungen, Jammern oder Rechthaberei und Rechtfertigungen ausgetauscht werden und Nähe zerstört wird, weil Ihr Euch gegenseitig emotional triggert. 

Es ist übrigens nicht förderlich, wenn Du wiederholt bestimmte Dinge physischer, intellektueller, emotionaler oder energetischer Intimität nur mitmachst oder erschaffst, weil Dein Partner diese toll findet, denn dann verhältst Du Dich angepasst (wenn Du z. B. regelmäßig mit ihm/ihr Filme schaust, oder wandern gehst, obwohl Du diese Aktivitäten gar nicht magst, dann geht der Schuss über kurz oder lang nach hinten los). Gleiches gilt, wenn Du Deine eigenen Bedürfnisse ignorierst oder Hobbies aufgibst und nur noch Zeit mit Deinem Partner verbringst, in der irrtümlichen Annahme, Du müsstest in jeder freien Sekunde irgendeine Art von Intimität mit ihm/ihr erschaffen. Auch damit verhältst Du Dich angepasst und erzeugst gewöhnliche Beziehung. Dann bist Du nicht mehr authentisch.

Außergewöhnliche Beziehung verfolgt eine andere Absicht als gewöhnliche Beziehung. Die Absicht außergewöhnlicher Beziehung ist zu lieben, miteinander zu sein, eine Partnerschaft zu erschaffen, authentisch zu kommunizieren, gemeinsam zu lernen und zu wachsen, Vertrautheit zu erforschen, die Gesellschaft des anderen zu genießen und wertzuschätzen, ohne ihn/sie zu manipulieren oder verbiegen zu wollen. Es geht darum, das jeder für sich stehen kann, seine eigenen Interessen nicht aufgibt und gleichzeitig das Wir im Blick hat. Damit eine Beziehung mit dieser Absicht langfristig erfüllend und nährend sein kann, ist es wichtig, dass Du darauf achtest, alle vier Arten von Intimität bewusst und verantwortlich zu integrieren. 

Zum Abschluss noch ein Tipp zum eingangs erwähnten Thema „Alltagslogistik“, die oftmals sehr viel Platz einnimmt und von Intimität und Nähe ablenkt. Bei der Alltagslogistik geht es um den Austausch von Informationen, die den intellektuellen Körper fordern. Es ist jedoch ein Unterschied, ob Du mit Deinem Partner ständig logistische Themen zu klären hast oder Ihr intellektuelle Intimität teilt. Eine Möglichkeit ist, dass Ihr, wenn Ihr beispielsweise am Abend nach Hause kommt, Euch z. B. 15 Minuten Zeit nehmt, um die notwendige Alltagslogistik zu klären (wer braucht wann das Auto, wer holt die Kinder ab, wer geht einkaufen, wer ruft wann den benötigten Handwerker an, etc.). Danach ist das Thema Logistik abgeschlossen und Ihr könnt bewusst einen Raum für Intimität öffnen und zum Beispiel dazu übergehen, bei Musik tanzend gemeinsam ein leckeres Essen zu kochen (physische Intimität). Viele Paare meinen, sie seien doch miteinander in Kontakt, wenn sie Alltagslogistik klären. Doch wenn Du einmal hin spürst, ist es von der verbindenden Qualität her ein großer Unterschied, ob Du logistische Punkte klärst, oder mitteilst, was Deine Pläne sind, oder Dich den Tag über bewegt hat. 

Bist Du bereit mit dem Experiment in Vier-Körper-Intimität zu beginnen?

Herzliche Grüße, 
Nicola Nagel


GIB DEINEM LEBEN EINE NEUE RICHTUNG!
www.viva-essenza.com

Freitag, 15. Juni 2018

NEW WORK: Neue Regeln erzeugen keinen neuen Kontext


Im letzten New Work Artikel „Kultur frisst Struktur zum Frühstück“, ging es zu Beginn darum, dass eine neue Unternehmenskultur aus einem neuen Kontext entsteht. Ein Missverständnis, dass dabei sehr schnell aufkommen kann ist, dass es vermeintlich darum geht, neue Gesetzmäßigkeiten und Regeln zu bestimmen, an die die Mitarbeiter sich zu halten haben, damit New Work funktionieren kann. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Durch neue Regeln kann ein New Work Kontext in einem Unternehmen  sehr schnell sterben.

Um eine Aussage des letzten Artikels noch einmal kurz in Erinnerung zu rufen: Der Kontext bestimmt, was möglich ist. Das bedeutet, um tatsächlich neue Resultate erzielen zu können, ist es notwendig, in einen neuen Kontext zu wechseln, in dem nicht mehr das gewöhnliche Verhalten, die gewöhnlichen Perspektiven und Bedingungen vorherrschen. Das gewöhnliche Verhalten schließt starre Regeln ein.



Die Versuchung und Gefahr von Regeln
Die Versuchung in Unternehmen ist oftmals sehr groß, neue Regeln und Konzepte anstatt eines neuen Kontexts einzuführen. Das liegt daran, dass die Angst von Führungskräften - und Mitarbeitern generell - die Kontrolle zu verlieren und gegen Regeln zu verstoßen, enorm groß ist. Doch gerade starre Regeln, die in der Vergangenheit die meisten Kommunikationswege und Arbeitsprozesse definiert haben und auch hilfreich waren, stehen aktuell der Weiterentwicklung vieler Unternehmen hin zu einer neuen Art des Arbeitens im Weg.

Grund hierfür sind die Eigenschaften von Regeln. Regeln sind meist starr, unflexibel und begrenzend. Sie basieren auf intellektuell logischen Argumenten und strikten Vorgaben und versuchen Handlungen zu kontrollieren. Die Rigidität von Regeln hat zur Folge, dass Mitarbeiter sich anpassen und den Regeln folgen, dadurch jedoch ihre eigene Entscheidungskraft und das eigene Verantwortungsbewusstsein verkümmern. Durch Regeln und starre Abläufe werden der Kreativität Grenzen gesetzt und der Mut über den Tellerrand zu schauen und Neues auszuprobieren, weicht der Angst, Fehler zu machen.

Regeln öffnen zudem das Tor zu sogenanntem Niederen Drama (Täter-Retter-Opfer Dynamik) und Positionsverhaftungen. Das liegt daran, dass Regeln auf der „Richtig-Falsch-Klassifizierung“ basieren und es vielfach massive Konsequenzen hat, wenn ein Mitarbeiter die Regeln nicht befolgt. Wer die Regeln bricht, passt nicht ins System bzw. ins Unternehmen und fliegt in letzter Instanz raus. Starre Regeln lassen wenig Spielraum für Forschen, Entdecken, Fehlermachen, Lernen, Inspiration und Kreativität. Regeln haben somit einen eher ausschließenden Charakter, als einen verbindenden oder integrierenden Charakter.

Starre Regeln verhindern auch, dass die Mitarbeiter Ihr Feingespür nutzen, um zu erkennen, was der Raum, das Team, das Projekt oder das Unternehmen tatsächlich gerade braucht. Regeln fördern eher die Taubheit der Mitarbeiter, denn die Weitsicht und Flexibilität. Da, wo Regeln sind, muss ein Mitarbeiter nicht selbst denken und schon gar nicht spüren, ob ein geregelter Prozess stimmig ist oder nicht.

Neue Möglichkeiten durch einen neuen Kontext
Anders ist es hingegen, wenn ein neuer New Work Kontext etabliert wird. Ein neuer Kontext basiert auf Unterscheidungen und Klarheit, die dazu führen, dass Mitarbeiter durch erlebbare Perspektivenwechsel und Lernerfahrungen ein neues Bewusstsein entwickeln und den Kontext in sich verankern. Ein neuer Kontext ist somit nicht nur auf den Intellekt begrenzt sondern schließt auch den physischen, emotionalen und sogenannten energetischen Körper ein. Ein New Work Kontext erfordert nicht nur ein neues Bewusstsein, sondern er fördert es zugleich. Er ist die Voraussetzung für das Erschaffen einer neuen Spielwelt.

Entscheidend in dem neuen Kontext ist eine alltäglich präsente und gelebte Feedback- und Coaching- Kultur, die sogenanntes Schnelles Lernen ermöglicht. Das bedeutet, dass die Mitarbeiter, neue Vorschläge machen und neue Wege ausprobieren können und direktes Feedback & Coaching darüber bekommen, was funktioniert und was nicht funktioniert. New Work und Agilität kann nicht mit starren Regeln funktionieren, da ein enorm hoher Grad an Flexibilität, Kreativität, Nichtwissen und Experimentieren gefragt ist. New Work kann nur durch Ausprobieren funktionieren. Denn wie Gary Hamel – einer der weltweit einflussreichsten Vordenker im Business Bereich auch sagt: Es gibt keinen gut etablierten Weg, um eine post-bürokratische Organisation aufzubauen. Während man Inspiration von Firmen bekommen kann, die bekannt dafür sind, nicht-bürokratisch zu sein, wie Morning Star – der in Kalifornien sitzende Verarbeiter von Tomaten – und W. L. Gore –die Firma, die High-Tech Materialen herstellt und für ihre Gore-Tex Stoffe bekannt ist -  so haben diese Firmen ihre markanten Management Praktiken über Jahrzehnte entwickelt. Während es viel von diesen und anderen Vorreitern zu lernen gibt, wird jede Bürokratie gebundene Firma, die ihr Management Vorgehen überarbeiten will, ihre eigene Landkarte erfinden müssen.

Ein New Work Kontext ermächtigt die Mitarbeiter und lädt sie ein, kreativ, innovativ, flexibel und vor allem selbstverantwortlich zu sein. Er sorgt für eine Veränderung der inneren Haltung. Dadurch, dass der Fokus bei einer neuen Art des Arbeitens wieder auf den Menschen gerichtet ist, anstatt ausschließlich auf die Ergebnisse, und die Mitarbeiter ihre Talente einbringen können und ein Arbeiten auf Augenhöhe möglich wird, sind sie aus freiem Willen bereit Verantwortung zu übernehmen. Denn: Es gibt keine faulen Mitarbeiter, es gibt nur Mitarbeiter, die nicht inspiriert sind. Sobald Mitarbeiter durch einen neuen Kontext inspiriert sind, in dem sie sich einbringen und entfalten können, sind sie auch bereit, Verantwortung zu übernehmen. Während starre Regeln Mitarbeiter in ihrer Wirkkraft begrenzen, sorgt ein New Work Kontext dafür, dass Mitarbeiter ermächtigt werden.

Im Folgenden findest Du eine kurze Gegenüberstellung der Eigenschaften von Regeln und einem neuen Kontext.


REGELN
NEW WORK KONTEXT
·      Basieren auf strikten Vorgaben, Kontrolle
·      Basiert auf Unterscheidungen und Klarheit
·      Kommen aus dem Verstand, involvieren nur den intellektuellen Körper
·      Wird in verschiedenen Körpern wahrgenommen (physisch, intellektuell, emotional, energetisch). Landet im Körper
·      Erfordern kein neues Bewusstsein und bauen auch kein Bewusstsein auf
·      Erfordert ein neues Bewusstsein und baut weiteres Bewusstsein auf
·      Sorgen dafür, dass Mitarbeiter Verantwortung umgehen und sich auf Regeln berufen.
·      Sorgt dafür, dass Mitarbeiter freiwillig Verantwortung übernehmen
·      Sind die Voraussetzung für Stagnation und das alles beim Alten bleibt
·      Ist die Voraussetzung für das Erschaffen einer sich entwickelnden neuen Spielwelt
·      Sind begrenzend, wenig lebendig, langweilig
·      Ist offen, lebendig, inspirierend
·      Schließen aus, trennen
·      Integriert, verbindet
·      Fördern die Taubheit der Mitarbeiter
·      Fördern die Lebendigkeit und Talente der Mitarbeiter
·      Müssen befolgt werden / fordern Gehorsam
·      Kann erforscht werden
Lädt ein, etwas auszuprobieren
·      Fordern das „Sich-Unterordnen“ bzw. „Sich-Anpassen“
·      Lässt jede Person in Ihrer Kraft sein, d. h. zentriert die eigene Autorität sein
·      Lassen keine Wahl => blindes Folgen
·      Basiert auf freiem Willen
·      Werden top down auferlegt
·      Wird gemeinsam erforscht
·      Lassen keine Fehler zu
Basiert auf Schnellem Lernen, sowie Feedback & Coaching in Echtzeit
·      Behindern Kreativität und Entwicklung
·      Fördert Kreativität und Entwicklung
·      Üben oftmals Druck aus
·      Beinhaltet eine Einladung, lässt Spielraum
·      Öffnen das Tor zu Positionsverhaftung („Ich habe Recht, weil ich mich an die Regel gehalten habe“)
·      Öffnet das Tor zur Ko-Kreation auf Augenhöhe
·      Öffnen das Tor zu sog. Niederem Drama (Täter-Retter-Opfer Dynamik)
·      Beinhaltet Feedback & Coaching, Timing und den Sinn dafür, was der Raum/das Team/das Projekt brauchen.
·      Sorgen für eine Normung / Kategorisierung
·      Erlaubt Vielfalt und Fülle
·      Lassen nicht über den Tellerrand schauen
·      Erweitert den Horizont

Die Unterschiede aufzuzeigen, mag sehr klar und logisch erscheinen. Das heißt allerdings nicht, dass es leicht ist, einen neuen New Work Kontext zu etablieren. Es wird massive Stolpersteine und Hürden geben, die es zu überwinden gilt. Es ist schließlich eine einschneidende Veränderung, wenn alte, mit Regeln belegte Strukturen aufgebrochen werden sollen. Das kann für die Mitarbeiter und vor allem auch leitende Angestellte zunächst einmal bedrohlich wirken.

Mache bitte einmal folgendes Experiment bevor Du weiterlist: vielleicht trägst Du eine Uhr, oder einen Gürtel (oder hast gewohnheitsmäßig einen anderen Gegenstand an Dir). Du hast eine bestimmte Gewohnheit die Uhr oder den Gürtel zu tragen. Die Uhr trägst Du möglicherweise immer links am Handgelenk und den Gürtel mit der Schnalle nach vorne. Nimm jetzt einmal Deine Uhr ab und mache sie an das andere Handgelenk, bzw. zieh den Gürtel so an, dass die Schnalle hinten am Rücken sitzt. Wie fühlt sich das an (allein, wenn Du schon daran denkst)? Fühlt es sich komisch, ungewohnt, unbehaglich an? Wirst Du schon unruhig, weil die Uhr bzw. der Gürtel nicht an seinem gewohnten Platz ist – da wo sie/er doch eigentlich hingehört? Hast Du den Impuls, das direkt wieder rückgängig zu machen? Oder hast Du dieses kleine Experiment erst gar nicht gemacht, weil Du es blöd findest?

Nun, das war soeben nur eine kleine Veränderung im Alltag, die Du jederzeit wieder rückgängig machen kannst. Du kannst jederzeit zu Deiner Gewohnheit zurückkehren. Jetzt überlege Dir jedoch einmal, wie es Mitarbeitern geht, die plötzliche auf eine neue Art und Weise zusammenarbeiten sollen. Auf Augenhöhe ko-zu-kreieren ist kein Konzept! Es entspringt einer inneren Haltung, die es notwendig macht, dass Mitarbeiter zunächst einmal zahlreiche Ego-Überlebensstrategien und Gewohnheiten überwinden, die bisher auf klassische Hierarchie und damit verbundene Autoritäten, Regeln und Positionen gepolt waren. Entscheidend ist daher, die Mitarbeiter abzuholen.

Das Interessante ist, dass dort, wo ein stabiler, nachhaltiger und gleichzeitig inspirierender Kontext in einem Unternehmen für eine neue Art des Miteinanders und des Arbeitens sorgt, sind Regeln so gut wie nicht mehr notwendig. Es braucht sicherlich noch einige Vereinbarungen, damit alle Beteiligten das gleiche Verständnis von der neuen Spielwelt haben. Diese haben jedoch nichts mit starren Regeln zu tun, die von vornherein einengen, als Konzepte vorgegeben werden und möglicherweise Prozessabläufe für die nächsten Monate oder Jahre regeln. Ein inspirierender New Work Kontext ermächtigt die Mitarbeiter auf eine Art und Weise, dass sie freiwillig und selbst-verantwortlich agieren, kreativ und inspiriert auf Augenhöhe zusammenarbeiten und sowohl das WIR als auch das ICH stets im Blick haben.

In welchem Kontext möchtest Du arbeiten?

Herzliche Grüße,
Nicola Nagel